Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern

Als Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern werden Fehlbildungen im Gesichtsbereich bezeichnet. Diese Fehlbildungen passieren bereits in der frühen Schwangerschaft und können diverse Ursachen haben. Der folgende Beitrag soll eine Orientierung zu Gründen und Risiken, Folgen und Therapiemethoden liefern, kann aber keinen Arztbesuch ersetzen.

Wie kann es zu einer „Hasenscharte“ kommen?

Die angeborene Fehlbildung mit der sperrigen Bezeichnung Lippen-Kiefer-Gaumenspalte wird bei Babys und Kleinkindern häufig auch als „Hasenscharte“ bezeichnet. 

Optisch erkennbar ist sie meist auf den ersten Blick – durch eine Narbe an der Oberlippe.

Wenn fehlerhafte Erbanlagen der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern zugrunde liegen, ist auch für etwaige Geschwisterkinder das Risiko erhöht. Wenn ein Geschwisterkind bereits von einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte betroffen ist, liegt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Fehlbildung bei vier Prozent.

Neben den Genen können auch diese Faktoren die Fehlbildung bedingen:

Hasenscharte
  • Eine Rötelninfektion von Mutter und Kind in der Schwangerschaft
  • Rauchen in der Schwangerschaft
  • Alkoholkonsum in der Schwangerschaft
  • seelischer oder auch psychischer Stress der werdenden Mutter
  • zu viel oder zu wenig Vitamine in der Schwangerschaft
  • Chemikalien oder bestimmte Medikamente
  • Strahlen, wie beispielsweise beim Röntgen

Welche dieser Faktoren ausschlaggebend sind für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern, lässt sich nicht genau sagen. Allerdings ist bekannt, dass Fehlbildungen eines Ungeborenen durch diese Gründe provoziert werden können und so auch die Wahrscheinlichkeit für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte deutlich erhöht ist. Auch Gendefekte der Eltern können eine Rolle bei der Entstehung spielen. Das bekannteste Syndrom für eine solche Spaltbildung ist die Trisomie 13.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten bei Babys und Kleinkindern gibt es in verschiedenen Schweregraden

Die Schweregrade einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte können unterschiedlicher Art sein. Die Position, an welcher sich die Spalte befindet, ist hier ausschlaggebend.

  • Lippen-Kieferspalte: an der Oberlippe und dem Oberkiefer befindet sich ein Spalt
  • Lippenspalte: der Spalt befindet sich an der Oberlippe
  • Gaumenspalte: der Spalt befindet sich am Gaumen

Die Spalte befindet sich meist nicht in der symmetrischen Mitte, sondern meist leicht links oder auch rechts davon. In manchen Fällen ist eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern auch doppelseitig angelegt, dann haben die betroffenen Babys zwei Spalten. Ausnahme ist hier der weiche Gaumen. Dort können keine Spalten in zweifacher Ausführung angelegt sein.

Die „Hasenscharte“ gehört zu den häufigsten Fehlbildungen bei Babys und Kleinkindern. In unserem Breitengrad kommt im Schnitt jedes 500. Kind mit einer solchen Spalte auf die Welt. In der Regel sind Jungs häufiger davon betroffen als Mädchen. Bei ca. 50 Prozent der Betroffenen liegt dann eine durchgehende Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern vor.

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Welche Beeinträchtigungen sind bei Spalten-Kindern zu befürchten?

Durch die Spalte, die sich über den Gaumen, den Kiefer, über die Lippe bis meist zum Nasenansatz zieht, können einige Beeinträchtigungen auftreten.

  • Eine normale Entwicklung, beispielsweise beim Essen, wird häufig erschwert. Babys können beispielsweise die Brustwarze der Mutter nicht richtig umschließen und nicht die nötigen Saugbewegungen ausüben. Dadurch bekommen sie nicht genügend Milch.

  • Da zwischen Mund- und Nasenhöhle kein richtiger Abschluss besteht, können sich bei Spalt-Babys und -Kleinkindern Probleme bei der Sprach- und Lautentwicklung zeigen. Eine „feuchte“ Aussprache kann das Bilden bestimmter Laute zusätzlich deutlich erschweren.

  • Wachstumsstörungen im Gesichtsbereich sind eine weitere Beeinträchtigung, mit der zu rechnen ist. Durch die Spaltentwicklung ist das Gleichgewicht und somit die Kräfteverteilung im Gesicht gestört und bestimmte Muskeln und deren Ansätze sind somit unterbrochen. Durch das muskuläre Ungleichgewicht kann es zu Wachstumsstörungen kommen. Auch im Nasenbereich können sich diese auswirken. Durch eine gekrümmte Nasenscheidewand oder zu kleine Nasenlöcher können Babys oft nur durch den Mund atmen, da die Luftversorgung über die zu kleinen Nasenlöcher deutlich schwerer fällt.

  • Häufiger auftretende Mittelohrentzündungen sind üblich, da das Mittelohr nur schlecht oder kaum belüftet wird. Sekrete können sich in diesem Bereich sammeln und dadurch Entzündungen verursachen.

  • Zahnfehlstellungen, Fehlbildungen oder Gebissschäden lassen sich in diesem Bereich meist ebenfalls nicht verhindern. Gerade bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern sollte beobachtet werden, wie sich der Zahndurchbruch darstellt, und im Weiteren die Zahnanlagen überprüft werden. Nicht selten sind die seitlichen Schneidezähne verkümmert oder fehlgebildet und weisen weniger Zahnschmelz auf, was es gerade Karies leichter macht, die Zähne zu schädigen.

Diagnose und Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern

Die Diagnose der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern wird im Normalfall bei der allerersten Untersuchung des Neugeborenen gestellt. Selbst eine unter der Schleimhaut verdeckte Gaumenspalte wird spätestens dann erkennbar, wenn sich Mittelohrentzündungen häufen. Werdende Eltern können bereits im Zuge der Pränataldiagnostik, also mit Hilfe von Ultraschall im Rahmen der Schwangerenvorsorge um die zwölfte Woche herum, das Gesicht des Ungeborenen auf Spalt-Fehlbildung untersuchen lassen.

Die Therapie der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte erweist sich als kompliziert und langwierig. Die Zusammenarbeit von HNO-Ärzten, Kieferorthopäden, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen und Logopäden ist hierbei von größter Bedeutung. Eine Therapie beginnt für die Kleinsten meist schon im ersten Lebensjahr und ist individuell an den Patienten und den Schweregrad angepasst. Ziel dieser Behandlungen ist es, die Spalte zu schließen, um Wachstumsstörungen zu vermeiden.

Bis Behandlung und Therapie starten können, hat es in jedem Fall oberste Priorität, dem Baby das Trinken zu ermöglichen. Bei einer Lippenspalte ist das oft das kleinere Problem, jedoch können Gaumenspalten das Stillen erschweren. Dann werden sogenannte Gaumenplatten eingesetzt, die vorab passgenau aus Kunststoff hergestellt werden. Diese Platte muss je nach Wachstumsphase an den Gaumen des Kindes immer wieder angepasst werden. Auch operative Möglichkeiten können hier in Erwägung gezogen werden. Dies muss aber mit einem Fachmann und unter Berücksichtigung des Schweregrades abgewogen werden. 

Wie gut sind die Aussichten bei einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei Babys und Kleinkindern?

Spalten, egal welche, sind komplizierte Fehlbildungen. Gerade weil diese im Gesichtsbereich, aber auch über Mund und Nase führen, muss eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte fachmännisch behandelt und therapiert werden, um Spätfolgen zu reduzieren. Die meisten Operationen finden in den ersten drei Jahren statt, wobei viele weitere Eingriffe oft bis ins junge Erwachsenenalter notwendig sind. Im besten Fall sollten dann keine funktionellen Einschränkungen vorhanden sein.