Darmeinstülpung bei Kindern – das sollten Eltern wissen

Die Darmeinstülpung bei Kindern, die im Fachjargon auch als Invagination bezeichnet wird, ist bei Kindern ein gar nicht so selten auftretendes Ereignis. Meist ist sie bereits in den ersten beiden Lebensjahren zu beobachten. Jungen sind dabei öfter betroffen als Mädchen. Im Jugend- oder Erwachsenenalter tritt die Invagination hingegen eher selten auf. Doch was ist die Darmeinstülpung bei Kindern genau? Auf welche Symptome kann die Darmeinstülpung zurückgeführt werden und welche Behandlungstherapien werden hier empfohlen? Dieser Beitrag beantwortet die häufigsten und ersten Fragen rund um die Darmeinstülpung bei Kindern, ersetzt aber bei dringendem Verdacht keineswegs den Besuch beim Arzt.

Invagination, was ist das?

Bei einer Darmeinstülpung schiebt sich der Darm teleskopartig ineinander. Das untere Ende des Dünndarms gelangt in den oberen Teil des Dickdarms. Dabei wird die Blutversorgung in den betreffenden Darmabschnitten unterbrochen. Die Folge können Schäden an der Darmwand und im schlimmsten Fall sogar das Absterben der betreffenden Darmwand sein. Häufig geht die Darmeinstülpung bei Kindern mit einem Darmverschluss oder einer Entzündung des Bauchfells einher. Rasches Handeln und das Abklären beim Arzt sollten deshalb bei Verdacht schnell erfolgen, um weitere Beschwerden oder sogar Schäden am Darm zu verhindern.

Darmeinstülpung

Woher kommt die Darmeinstülpung bei Kindern?

Einen eindeutigen Auslöser gibt es in den meisten Fällen nicht. Allerdings wird ein Zusammenhang mit einer Darmentzündung, mit einer Durchfallerkrankung oder einer Virusinfektion vermutet. Auslöser kann allerdings auch eine Verletzung oder eine angeborene Veränderung der Darmwand sein.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten betroffen von der Darmeinstülpung sind Babys und Kleinkinder in den ersten beiden Lebensjahren, wobei die Darmeinstülpung bei Jungs häufiger auftritt als bei Mädchen. In acht von zehn Fällen tritt die Invagination bei Babys im ersten Jahr auf.

Studien zufolge könnte auch eine Verbindung bestehen zwischen der Invagination und der Rotavirusimpfung bei Babys. Einige wissenschaftliche Ansätze gehen davon aus, dass Babys, die diese Impfung erhielten, ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine Darmeinstülpung haben.

Welche Symptome sind typisch für eine Darmeinstülpung bei Kindern?

Mögliche Anzeichen, dass eine Darmeinstülpung vorliegt, können vielschichtig sein. Wie bei vielen Krankheiten, die im Kindesalter auftreten, sind die Symptome unspezifisch und der Nachwuchs kann sich nur schwer äußern oder erklären, was die Schmerzen verursacht.

  • Oftmals beginnt eine Darmeinstülpung bei Kindern mit plötzlichen, krampfartigen und heftigen Bauchschmerzen.
  • Die Schmerzen hierbei können so stark sein, dass sich daraus Schock-Symptome entwickeln können.
  • Galliges Erbrechen, das immer wieder auftritt, und eine allgemeine, kalt schweißige Hautblässe sind typische Anzeichen.
  • Am Bauch könnten auch walzenförmige Strukturen zu tasten sein, die auf einen zusammengeschobenen Darm schließen lassen können.
  • Dunkler Urin oder auffällig seltenes Wasserlassen sind ebenfalls Anzeichen für eine Darmeinstülpung bei Kindern.
  • Als vergleichsweise spät auftretendes Symptom wird himbeergeleeartiger Stuhl beschrieben.
  • Aufgrund der starken Schmerzen können Babys und Kleinkinder anhaltend schreien und eine Schonhaltung einnehmen, die sich an angezogenen Beinen erkennen lässt.

Einige Anzeichen können über einen längeren Zeitraum bestehen, dann abklingen und plötzlich wieder auftreten. Eltern müssen so schnell wie möglich einen Kinderarzt aufsuchen oder direkt in der Kinderklinik vorstellig werden, wenn sie Symptome einer Darmeinstülpung erkennen oder auch nur vermuten. Erfolgt keine medizinische Behandlung, können lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

  • Durch das wiederholte Erbrechen kann eine Austrocknung (Dehydration) des kleinen Körpers die Folge sein.
  • Ebenfalls ist das Absterben der betroffenen Darmabschnitte aufgrund einer mangelnden Blutversorgung zu befürchten.
  • Der Darm kann auch von einem Durchbruch (Perforation) oder einem Darmverschluss betroffen sein.

Durch einen Ultraschall beim Kinderarzt kann auf sicherstem Weg eine Invagination erkannt werden. Denn auf dem Ultraschallbild wäre zu erkennen, dass die Darmabschnitte ineinandergeschoben sind. Auch ein Abtasten der betroffenen Bauchregion bleibt hierbei nicht aus. Bei der rektalen Untersuchung könnte sich zudem eventuell Blut am Finger befinden.

Welche Behandlung ist nach einer Diagnose notwendig?

Wenn die beschriebenen Symptome auf das Kind zutreffen, ist es wichtig umgehend einen Kinderarzt zu konsultieren, um den Verdacht ausschließen oder bestätigen zu lassen. Bestätigt sich die Vermutung, gibt es zwei Möglichkeiten der Behandlung, die am häufigsten Anwendung finden.

Bei den gängigen Behandlungstherapien, die der Arzt anwenden wird, geht es darum, den Darm wieder in die Ausgangsposition zu bringen.

  1. Variante: Kochsalzlösung (hydrostatische Desinvagination)

Mit einer Kochsalzlösung wird der ineinander gerutschte Darm wieder auseinander gespült. Mithilfe eines speziellen Darmrohres wird dabei die Kochsalzlösung eingebracht. Dieses Verfahren ist dann erfolgreich, wenn die Symptome frühzeitig richtig erkannt werden und diese noch nicht länger als ein paar Stunden bestehen. Hierbei wird eine Kurzzeitnarkose verabreicht und per Ultraschall kontrolliert.

  1. Variante: Druckluft (pneumatische Desinvagination)

Mit dem Zuführen von Luftdruck in den Enddarm wird die Anhebung des Darms provoziert, um die ineinander gerutschten Darmstücke wieder in die Ausgangsposition zu bewegen. Auch bei dieser Methode wird während der Behandlung der Erfolgt kontrolliert, allerdings wird dabei der Patient durchleuchtet, was den Nachteil der Strahlenbelastung mit sich bringt. Vorab wird auch hier eine Kurzzeitnarkose verabreicht.

Bei diesen konservativen Behandlungsmethoden muss der kleine Patient für 24 Stunden ärztlich überwacht werden, um etwaige Rückfälle zeitnah zu erkennen.

Invagination

Eine Operation ist erst dann notwendig, wenn es zu Komplikationen kommt oder die oben genannten Therapien keinen Erfolg bringen. Der operative Eingriff erfolgt dann über eine Bauchspiegelung. Lässt sich die Einstülpung bei der Operation nicht voneinander lösen, müssen gegebenenfalls die beiden ineinander geschobenen Teile entfernt werden. Mit einigen Nähten kann der Kinderchirurg dann den Dickdarm anheften, um ein erneutes Einstülpen des Darms zu verhindern. Das Eröffnen der Bauchhöhle wird erst notwendig, wenn keine der genannten Behandlungstherapien möglich sind.

Bei einer Darmeinstülpung ist der Gang zum Kinderarzt lebenswichtig

Da die Darmeinstülpung meist mit weitreichenden Folgen verbunden und in Selbsttherapie zu Hause nicht zu beheben ist, ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern direkt zum Kinderarzt gehen, sobald sie eine Darmeinstülpung vermuten. Oftmals kann durch gezieltes Abtasten oder durch einen Ultraschall schnell ein genauer Befund erhoben werden. Da gerade bei Babys und Kleinkindern Dehydration und die unterbrochene Blutversorgung lebensbedrohlich sein können, ist ein Gang zum Arzt bei den eingangs erwähnten Symptomen Pflicht. Präventionsmaßnahmen gibt es nicht. Virusinfektionen, Darmpolypen, Darmtumore, Mukoviszidose oder Übergewicht können Risikofaktoren oder gar Ursachen für eine Darmeinstülpung sein.