ADHS bei Kindern – Was steckt hinter dem umstrittenen Thema?

ADHS bei Kindern ist ein viel diskutiertes Thema. Hinter der Abkürzung ADHS verbirgt sich eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, die im Kleinkindalter auftritt und sich bis ins Jugend- oder Erwachsenenalter ziehen kann. Die Schwierigkeit besteht darin, ADHS zu „erkennen“, denn zwischen einem aktiven, quirligem Kind und ADHS verläuft oft nur ein schmaler Grat.

So häufig kommt ADHS bei Kindern vor

Je nachdem, welcher Kriterienkatalog angelegt wird, ist in Deutschland davon auszugehen, dass 300.000 bis 700.000 Kinder und Jugendliche ADHS haben. Hinzu kommen Kinder, die weniger starke Symptome haben. Rein statistisch betrachtet sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Bei Mädchen wird die Verhaltensauffälligkeit häufig übersehen oder falsch interpretiert. Sie äußert sich hier oft als Beeinträchtigung des Intellekts oder als emotionale Schwankung.

Das sind die Kernsymptome von ADHS bei Kindern

Zu den bekanntesten Symptomen von ADHS zählen, laut der Redaktion des zentralen adhs-Netzes,  Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Dahinter verbergen sich diese Verhaltensweisen:

  • Die Konzentrationsfähigkeit ist eingeschränkt. Spiele oder Bastelarbeiten, die begonnen werden, können nicht strukturiert zu Ende gebracht werden.
  • Die Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt. Beginnt der Kita-Alltag im Stuhlkreis, ist es für ein Kind mit ADHS eine sehr große Herausforderung für 20 bis 30 Minuten ruhig sitzen zu bleiben.
  • Betroffene lassen sich leicht ablenken. Kinder bringen Bastelarbeiten und Spiele kaum zu Ende, da sie sich leicht ablenken lassen. Die Gleichaltrigen in der Bastelecke sind dann viel interessanter als das Tischspiel.
  • Grob- und feinmotorisch lassen sich Unruhezustände erkennen. Die Zeit der Brotzeit, in der die Kinder ruhig am Tisch sitzen sollen, ist für Kinder mit ADHS nur schwerlich zu meistern.
Konzentrationsstörung
  • Betroffene haben einen überaus starken Bewegungsdrang. Kinder mit ADHS klettern besonders gerne und haben Probleme mit Spielen, bei denen sie ruhig am Tisch sitzen sollen.
  • Die Impulskontrolle ist nur mangelhaft ausgeprägt. Die Geduld ist überaus gering ausgeprägt. Ein Kind mit ADHS kann nicht warten bis es an der Reihe ist.
  • Unüberlegtes Handeln kennzeichnet das Verhalten. Kinder mit ADHS platzen unüberlegt in Spiel- und Gesprächssituationen von anderen Kindern und/oder Erwachsenen.

Handelt es sich um ADHS bei Kindern oder um ein aufgewecktes Kind?

  1. Wer diese Beschreibung der Kernsymptome liest, könnte sicherlich ein, zwei oder gar mehrere Details am eigenen Kind erkennen, denn: Kleinkinder müssen Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit üben und trainieren. Auch grob- und feinmotorische Fähigkeiten entwickeln sich erst mit der Zeit. Dass kleine Kinder lieber toben, spielen und herumrennen als stillzusitzen und manchmal ganz schön stur sein können, ist ebenso typisch für den Nachwuchs wie ein unüberlegtes und nicht bis zum Ende durchdachtes Verhalten.

    Um genau diesen Knackpunkt ranken sich die Diskussionen über ADHS bei Kindern, in denen die Kernfrage häufig lautet:

    Ist mein Kind lebhaft, aufgeweckt und extrovertiert oder hat mein Kind ADHS?

    Eine pauschale Antwort kann es auch auf diese Frage nicht geben, allerdings liefern die Experten vom adhs-Netz auch einige Hinweise, die dafür sprechen, dass der Nachwuchs mehr als nur quirlig und lebhaft ist.

    Konnte das überaus aktive Verhalten bereits im Vorschulalter beobachtet werden und führte es zu Beeinträchtigungen in Kindergarten, Krippe, Schule oder zu Hause, könnte sich der Verdacht auf ADHS erhärten. Wenn darüber hinaus mit viel Geduld und Ruhe das Konzentrationsvermögen, die Aufmerksamkeit, die Motorik und die Impulskontrolle geschult wurde und nach etwa sechs Monate noch immer keine altersgerechte Entwicklung absehbar ist, kann es sinnvoll sein, mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin über den Verdacht zu sprechen, dass das Kind ADHS hat.

Damit DU deinem Kind sicher helfen kannst!

In einem Notfall musst Du ruhig bleiben & sicher die richtigen Maßnahmen treffen können. Bereite Dich JETZT vor!
Tipp

ADHS ist offiziell klassifiziert

Die Weltgesundheitsorganisation hat ADHS unter der Abkürzung ICD-10 klassifiziert. Dahinter verbirgt sich auch eine Art Leitfaden, der besagt, dass erst dann von ADHS bei Kindern die Rede sein kann, wenn zwei Drittel der Symptome der Unaufmerksamkeit vorliegen, wenn drei von fünf Symptomen der Hyperaktivität erfüllt sind und wenn ein Symptom auf Impulsivität hinweist. Die American Psychiatric Association definiert unter der Abkürzung DSM-5 mehrere Subtypen von ADHS. Um von einer ADHS-Diagnose auszugehen, müssen zwei Drittel der Symptome auf Unaufmerksamkeit hinweisen. Je nach Subtyp fallen die Symptome für Impulsivität und Hyperaktivität stärker oder schwächer aus.

Woher kommt ADHS bei Kindern?

ADHS bei Kindern ist eine Verhaltensstörung, die nicht auf eine Ursache zurückgeführt werden kann, sondern für die oftmals mehrere Ursachen verantwortlich sein können. Die genetische Veranlagung kann Experten zufolge den größten Einfluss auf die Ausprägung der Verhaltensstörung haben. Hinzu kommen sogenannte biologische Faktoren, wie beispielsweise Probleme in der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Stoffwechselstörungen können die Symptome verstärken. Bedingt die Genetik eine Verhaltensstörung, die durch eine problematische Geburt noch verstärkt wird, könnten psychosoziale Bedingungen ADHS bei Kindern noch verstärken

KADHSBewegungsdrang

So können Eltern ihrem Kind mit ADHS richtig helfen

Kinder mit ADHS ecken häufig an. Sie halten sich oft weniger an Regeln, sind streitlustig, aggressiv, provozieren und sind häufig verstrickt in Raufereien. Hinzu kommt, dass Kinder mit ADHS ihren Altersgenossen beim Basteln, Malen oder auch bei komplexen Bewegungsabläufen oft hinterherhinken. Sprachlich bedienen sie sich oft eines kleineren Wortschatzes, bei Konzentrations- und Gedächtnisspielen können sie nur schwerlich Muster erkennen. Auch ein Puzzle zu machen, fällt Kindern mit ADHS schwer.

  1. Ein Gespräch mit dem pädagogischen Fachpersonal in der Kindertageseinrichtung sowie mit Kinderarzt oder Kinderärztin kann dabei helfen, eine mögliche Diagnose abzustecken. So kann früh verhindert werden, dass mangelndes Interesse am Kindergarten, beispielsweise wegen kognitiver Inselbegabungen, als ADHS „missverstanden“ wird. Auch soll so verhindert werden, dass ADHS quasi „unbemerkt“ vorliegt und als mangelnde Intelligenz abgetan wird. Langfristig gesehen, kann der Nachwuchs sehr darunter leiden.

  2. Steht die Diagnose, dass es sich um ADHS handelt, sollte das Ziel derjenigen, die mit dem Kind umgehen, die Harmonie sein. Kinder mit ADHS können nur schwer „einsehen“, wenn die Eltern recht haben und wenn sie es tun, hat diese Einsicht nur selten Bestand. Stattdessen ist es gut und sinnvoll, durch genaue Beobachtung und einen Blick auf die Verhaltensweisen des Kindes ein Leben mit der Verhaltensauffälligkeit zu kreieren.

  3. Je nach Ausprägung der Symptome können diverse begleitende Therapien unterstützend wirken, wie beispielsweise die Ergotherapie, bei der die Beschäftigung mit einem Thema geübt wird, die Mototherapie, bei der die motorischen Fähigkeiten geschult werden, oder die Psychotherapie.