Zahnunfälle bei Kindern
Was Eltern im Notfall tun sollten
Ein Sturz auf dem Spielplatz, ein Zusammenstoß beim Sport oder ein Unfall beim Toben – schon kann ein Zahn abbrechen. Für Eltern ist das oft ein Schreckmoment, in dem schnelles und richtiges Handeln gefragt ist. Wir haben daher mit Josefine Nagy, Kinderzahnärztin beim Jona Zentrum für Kinder- und Jugendzahnheilkunde, über Zahnunfälle bei Kindern gesprochen. Die Expertin erklärt, welche Sofortmaßnahmen wichtig sind, worauf Eltern besonders achten sollten und warum eine zahnärztliche Untersuchung auch bei kleinen Zahnschäden sinnvoll ist.
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Zahn ausgeschlagen: Jede Minute zählt
Wurde Ihrem Kind ein bleibender Zahn komplett ausgeschlagen, ist schnelles Handeln entscheidend. Suchen Sie den Zahn und fassen Sie ihn ausschließlich an der Krone an, nie an der Wurzel. Das feine Gewebe an der Wurzel ist empfindlich – wird es beschädigt, sinken die Chancen auf eine erfolgreiche Wiedereinpflanzung deutlich.
Am besten lagern Sie den Zahn in einer Zahnrettungsbox aus der Apotheke. Haben Sie keine zur Hand, eignet sich kalte H-Milch, alternativ sterile Kochsalzlösung. Leitungswasser ist ungeeignet, weil die Wurzelzellen darin schnell absterben. Reiben Sie den Zahn nicht ab und desinfizieren Sie ihn nicht. Josefine Nagy betont, dass bei ausgeschlagenen bleibenden Zähnen vor allem die richtige Lagerung und der schnelle Weg in die Praxis entscheidend sind.
Bei Milchzähnen ist die Regel anders: Ausgeschlagene Milchzähne werden in der Regel nicht wieder eingesetzt, damit der nachwachsende bleibende Zahn nicht geschädigt wird. Trotzdem sollten Sie den Mund Ihres Kindes zeitnah fachlich kontrollieren lassen. Auch hier rät Josefine Nagy dazu, den Befund nicht zu unterschätzen, selbst wenn der betroffene Zahn „nur“ ein Milchzahn ist.
Zahn locker nach Sturz
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Wackelt ein Zahn nach einem Aufprall stärker als zuvor, ist das ein Warnzeichen. Auch wenn äußerlich wenig zu sehen ist, kann die Wurzel verletzt oder das Zahnfach gelockert sein. Lassen Sie Ihr Kind möglichst wenig auf der betroffenen Seite kauen und bieten Sie weiche, kühle Kost an. Vermeiden Sie festes Zubeißen sowie harte oder klebrige Lebensmittel.
Auch ein locker wirkender Milchzahn sollte zahnärztlich beurteilt werden. Manchmal ist er nach innen verschoben und drückt auf den darunterliegenden bleibenden Zahnkeim – das bleibt ohne Untersuchung oft unbemerkt. Josefine Nagy erklärt, dass gerade solche Verschiebungen für Eltern schwer zu erkennen sind und deshalb fachlich abgeklärt werden sollten.
Zahn abgebrochen
Ist nur ein Stück abgesplittert, suchen Sie nach dem Bruchstück und bewahren Sie es feucht auf, am besten ebenfalls in einer Zahnrettungsbox, in H-Milch oder Kochsalzlösung. Moderne Klebetechniken erlauben es häufig, abgebrochene Fragmente wieder anzusetzen. Reicht der Schaden tiefer und ist die rosa schimmernde Pulpa sichtbar oder reagiert Ihr Kind stark auf Kälte und Luft, ist eine zeitnahe Behandlung wichtig, um den Nerv zu schützen. Nach Einschätzung von Josefine Nagy sollte auch bei kleinen Absplitterungen geprüft werden, ob mehr als nur der sichtbare Zahnschmelz betroffen ist.
Wann Sie sofort zum Zahnarzt müssen
Bei einem ausgeschlagenen bleibenden Zahn sollten Sie möglichst rasch eine Praxis aufsuchen. Auch bei stark gelockerten, verschobenen oder tief abgebrochenen Zähnen gilt: noch am selben Tag behandeln lassen. Außerhalb der Sprechzeiten ist der zahnärztliche Notdienst die richtige Adresse; bei Verdacht auf eine Kieferverletzung, Bewusstlosigkeit, Erbrechen oder Kopfverletzungen wählen Sie den Rettungsdienst über 112 oder fahren in die nächste Notaufnahme.
Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten:
- starke, nicht stillbare Blutung im Mund
- sichtbar verschobene Zähne oder Bissveränderung
- zunehmende Schwellung
- Schmerzen, die trotz Kühlung nicht nachlassen
- Übelkeit, Schwindel oder Erinnerungslücken nach dem Sturz
Erste Hilfe bis zur Behandlung
Bis Sie in der Praxis ankommen, können Sie mit einfachen Maßnahmen viel beruhigen und stabilisieren. Sprechen Sie ruhig mit Ihrem Kind, auch wenn Sie selbst erschrocken sind – Kinder spiegeln Stress sehr direkt. Lassen Sie es nach Möglichkeit aufrecht sitzen.
Blutet es im Mund, lassen Sie Ihr Kind sanft auf ein sauberes Tuch oder eine Mullkompresse beißen. Eine in ein Tuch gewickelte Kühlpackung von außen an die Wange gelegt kann Schwellung und Schmerz lindern. Geben Sie bitte keine Schmerzmittel auf eigene Faust – im Zweifel kurz telefonisch beim Kinderarzt abklären. Josefine Nagy weist darauf hin, dass Eltern vor allem Ruhe bewahren und keine Maßnahmen ergreifen sollten, die den verletzten Zahn zusätzlich reizen.
Vorbereitet sein gibt Sicherheit
Eine kleine Zahnrettungsbox im Erste-Hilfe-Set zu Hause, im Auto und in der Kita-Tasche kostet wenig und kann im Ernstfall einen Zahn retten. Genauso wichtig: Sie wissen, wo die nächste kinderzahnärztliche Anlaufstelle ist und welche Telefonnummer Sie wählen. Wer einmal geübt hat, wie er im Notfall reagiert, handelt ruhiger – und genau diese Ruhe überträgt sich auf Ihr Kind. Auch Josefine Nagy empfiehlt Eltern, sich vorab mit den wichtigsten Schritten bei Zahnunfällen vertraut zu machen.





